Navigation überspringen Sitemap anzeigen

Nachhaltigkeit in der Innenarchitekturnatürliche Materialien

40 % der weltweiten CO₂-Emissionen sind der Bauindustrie zuzuschreiben. Auch wenn wir von KID von der Bautätigkeit profitieren, möchten wir lieber nachhaltige Lösungen entwickeln, als Teil des Problems zu sein. Das fängt mit dem eindringlichen Appell an den oder die Bauherren an, sorgfältig zu planen, was genau, wie und in welcher Form umgesetzt werden soll und ob es hierzu evtl. umweltschonende Alternativen gibt, die sich u. U. mittel oder langfristig sogar als kostengünstiger erweisen können. Die Rahmenbedingungen inkl. aller Parameter wie Finanzierung und Worstcase-Szenarien sollten genau abgeklärt werden. Insoweit wird die professionelle Planung immer wichtiger, auch um Klimaschutzziele zu erreichen.

Ein Gegenbeispiel von nachhaltigem Bauen ist etwa „Burj al Babas“, eine halbfertige Siedlung von 578 „Eigenheimschlössern“ in einem ursprünglichen, schönen Tal eines Kurortes im Nordwesten der Türkei. Seitens der Investoren war geplant, 732 identische, schlossähnliche Häuser mit Fußbodenheizung und Whirlpool auf jeder Etage zu bauen. Abgesehen von der Geschmacklosigkeit und Geschichtsvergessenheit dieses Projektes (die Burg als etwas Besonderes, freistehend auf einem Berg zu sehen), konnte bei der Planung deutlich gespart werden, da nur ein Haustyp konzipiert werden musste. Aufgrund der Pleite des Investors ist das Projekt heute zu einer riesigen Bauruine verkommen, bei welcher jede Menge CO² beim Bau freigesetzt wurde, ohne einen nutzbaren Gegenwert zu haben.

Wäre dem Bauvorhaben eine sorgfältige Planung mit nachhaltigen Materialien und einem ansprechenden, zeitgemäßen Design unter Einbeziehung der Landschaftsplanung vorausgegangen, hätte sich möglicherweise ein Nachunternehmer gefunden oder wäre ein nachhaltiger Rückbau möglich gewesen. So ist es zu einer völlig skurrilen Geisterstadt verkommen, die sich maximal für Dreharbeiten von Video- oder Filmclips eignet.

Auch im Retail-Bereich ist die Halbwertzeit von Projekten oft sehr kurz. So wird etwa aufgrund von einem neuen CI oder vorangegangenen Fehleinschätzungen nach ein bis zwei Jahren ein Projekt komplett umgebaut, ohne dass der Inhaber wechselt. Diese Beobachtung hat etwa auch der Hersteller von Holzwerkstoff als Plattenmaterial „UNILIN“ aus Belgien gemacht. So nimmt UNILIN die verbauten Holzwerkstoffplatten zurück und trennt die Platten in die unterschiedlichen verwendeten Materialien, um diese dann zu 90 % zu recyclen und für neue Möbelplatten zu verarbeiten. Dieser umweltfreundliche Cradle-to-Cradle Kreislauf wurde eigentlich aus der Not geboren, weil es in Belgien wenig Wald und damit kaum Holzwirtschaft gibt.

Oft entstehen Dinge aus der Not, z.B. im Moment öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen, wenn das Geld fürs Benzin nicht mehr reicht. Wenn zu wenig neue Baumaterialien verfügbar sind, muss man die weiterverwenden, die bereits vor Ort vorhanden sind. Hier gibt es gute Beispiele von ganzen Entwicklungsarealen, wo mit BIM-Technologien der Bestand katalogisiert wird, um ihn dann direkt an anderer Stelle auf dem Areal wieder einzusetzen, bzw. zu recyclen.

Das zertifizierte Cradle-to-Cradle – (C2C) Prinzip funktioniert dabei auf ganz unterschiedlichen Wegen. So gibt es Hersteller, die z.B. ihre Terrassendielen oder Bodenbeläge mit garantierter Rücknahme verleasen. In der Planung ist es daher zunehmend wichtig, Themen wie intelligente Materialkreisläufe zu berücksichtigen und kreativ einzusetzen. Darüber hinaus setzen wir als KID, wo immer es sich anbietet, biologisch bzw. grün produzierte Produkte ein, z. B. den Holzwerkstoff von Resysta, welcher hauptsächlich aus Reishülsen besteht, also eigentlich einem Abfallprodukt. Dieser weist zudem fantastische Eigenschaften auf, wie etwa Wasserfestigkeit und gute Verarbeitbarkeit. Auch kann man die Platten unter Hitzeeinwirkung biegen.

Generell achten wir bei KID sehr darauf, Gebäude so energieeffizient und nachhaltig wie möglich zu planen. So werden effiziente Dämmsysteme eingeplant, um den Energiebedarf von vornherein zu minimieren. Demnächst wird es Dämmplatten sogar aus Popcorn geben. Das neuartige Produktionsverfahren wurde von der Universität Göttingen entwickelt. Diese Popcorn-Dämmplatten weisen hervorragende Wärmedämmeigenschaften sowie einen guten Brandschutz auf.

Andreas Paul, Leiter Anwendungstechnik und Produktentwicklung bei BACHL, erläutert die weiteren Vorteile der Innovation:

„Der neue Dämmstoff aus biologischen Bestandteilen schont Ressourcen und zeichnet sich darüber hinaus durch Langlebigkeit, vielfältige Einsatzmöglichkeiten, geringes Gewicht und damit einfaches Handling, sowie niedrige Transport- und Energiekosten aus.“

„Grüne“ Produkte sind allerdings meistens – zumindest noch - teurer, weil aufwändiger herzustellen. Grüner, fossilfreier Stahl mit grünem Wasserstoff produziert, ist zurzeit kaum bezahlbar. Das wird sich jedoch in Zukunft ändern, weil die Rohstoffe immer knapper werden und die Gewinnung erneuerbarer Energien wirtschaftlicher.

Auch mit Wärmepumpen lässt sich enorm viel Energie sparen, leider sind diese zurzeit schwer zu bekommen. Ein Lüftungssystem, welches gleichzeitig die Luft im Raum über Ionisierung reinigt, benötigt einen geringeren Frischluftanteil und spart damit wieder viel Energie. Dieses haben wir z. B. im Crunch Fit Berlin-Lichtenberg zum Einsatz gebracht.

Nachhaltigkeit steht auch für Langlebigkeit. Die CO₂-Bilanz kann für Produkte, welche eine lange Lebensdauer haben, besser ausfallen als für ökologisch einwandfrei produzierte, die eine kürzere Lebensdauer haben. Beides zusammen, so wie bei der Popcorn-Dämmplatte, ist natürlich optimal.

Zum Seitenanfang